26.07.2019

Große schützen Kleine - Juli 2019

Pressemitteilung - 26. Juli 2019

 

„Kann Ihr Kind fliegen?“: Kampagne soll Fensterstürze verhindern

Jährlich passieren in der Steiermark rund 30.000 Kinderunfälle – etwa die Hälfte davon in den eigenen vier Wänden. Fensterstürze kommen verhältnismäßig selten vor, gehen aber umso öfter mit schweren oder gar tödlichen Verletzungen einher.

Der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und die Abteilung Wohnbau des Landes Steiermark wollen Eltern nun verstärkt für diese Gefahr zu sensibilisieren und damit viel unnötiges Leid verhindern helfen.

 

Es kann so schnell gehen: Der 2-jährige hört aufgeregte Stimmen vor dem Fenster und will natürlich genauer Bescheid wissen. Also schiebt der Kleine den Sessel ein Stück näher zum Fenster, steigt hinauf und tatsächlich gelingt ihm das, was seine Eltern ihm niemals zugetraut hätten: Er öffnet das Fenster und kippt um ein Haar vornüber in die tödliche Tiefe.

 

Kleinkinder kippen durch hohen Körperschwerpunkt leicht aus dem Fenster

Jährlich versterben 2 bis 3 Kinder in Österreich durch Stürze aus geöffneten bzw. nicht gesicherten Fenstern oder von Balkonen.

Um dem entgegenzuwirken, haben Univ.-Prof. Dr. Holger Till und Dr. Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE 157 Stürze aus der Höhe analysiert und daraus Präventionsmaßnahmen abgeleitet.

„Fenster üben für Kinder eine große Faszination aus. Sind sie geöffnet, ist der Drang die Welt da draußen zu entdecken groß. Bei einem Kleinkind ist der Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper doppelt so groß und schwer wie bei einem Erwachsenen. Es besteht also die große Gefahr, dass das Kind über alles, das niedriger als auf Nabelhöhe ist, leicht vornüberkippen kann“, warnt Till.

 

Unter 5-jährige Buben am häufigsten betroffen

Spitzer weiß: „Das „typische Kind“, das aus dem Fenster stürzt, ist laut langjähriger Betrachtung unter fünf Jahre alt (75%) und männlich (65%). Allein im 2. und 3. Lebensjahr geschieht jeder zweite Fenstersturz. Rund jeder sechste Fenstersturz endet tödlich. Entscheidend sind natürlich hauptsächlich die Fallhöhe und die Beschaffenheit der Aufprallstelle. Der Fenstersturz kommt vor allem bei Mehrparteienhäusern vor. Ab dem 3. Stock steigt die Todesrate signifikant an, ab dem 4. Stock ziehen sich 80% der Kinder tödliche Verletzungen zu“.

Fensterstürze und Stürze aus der Höhe passieren das ganze Jahr hindurch. Dennoch lässt sich ein Höhepunkt in den Monaten Mai bis September ausfindig machen.

 

Mangelndes Gefahrenbewusstsein der Jüngsten, Risikolust der Älteren

Im Gegensatz zum Fenstersturz, der vorwiegend bei Kleinkindern passiert, betreffen andere Stürze aus der Höhe vor allem ältere Kinder und Jugendliche: Dies beim Erklettern des Balkongeländers und beim Durchbrechen von Lichtkuppeln, wenn Fabriksdächer erklettert und dann die Tragkraft der Lichtkuppeln unterschätzt wurde.

Eine detaillierte Betrachtung der Altersgruppe und der Unfallart zeigt also deutlich die Hauptunfallursachen auf: das mangelnde Gefahrenbewusstsein bei den Jüngsten und die Risikolust bei den Älteren.

 

Kampagne „Kann Ihr Kind fliegen?“ soll sensibilisieren und so Unfälle vermeiden helfen

Mit speziellen Fensterklebern wollen der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und das Land Steiermark-Wohnbau nun verstärkt auf die Todesgefahr Fenstersturz hinweisen. „Jährlich passieren leider noch zu viele Unfälle durch Fensterstürze von Kindern, die zu verhindern gewesen wären. Jedes technische Mittel muss uns recht sein, um solche Tragödien zu vermeiden“, betont Landesrat Johann Seitinger.

Die „Fensterkleber“ werden im Rahmen der Wohnbauförderung durch das Land Steiermark / Wohnbau an Fördernehmer verteilt, insbesondere an Fördernehmer für Geschosswohnbau und umfassende Sanierung. Mit der Förderungszusage ergeht der Auftrag, in den Wohnungen die „Fensterkleber“ in den laut Plan definierten Räumen Kinderzimmer, Wohnzimmer und Schlafzimmer anzubringen.

Im Rahmen weiterer Kontaktaufnahmen mit steirischen Fensterherstellern soll der „Fensterkleber“ auch über diese Schiene Verbreitung finden.

 

SicherheitsTIPPS für Eltern

  • Montieren Sie versperrbare Fenstergriffe! Diese können einfach nachgerüstet werden und sind in Möbelhäusern, in Baumärkten sowie in diversen Online-Shops kostengünstig zu erwerben. Ziehen Sie den Schlüssel ab und bewahren Sie ihn für Kinder unerreichbar auf!
  • Stellen Sie sicher, dass sich Ihr Kind beim Lüften nicht alleine im Raum aufhält - nehmen Sie es in einen anderen Raum mit und behalten sie es immer im Auge!
  • Eine Alternative zu versperrbaren Fenstergriffen sind Fensterriegel aus Plastik oder Metall, die am Fensterrahmen angebracht werden.
  • Insektengitter und Katzengitter/-netze bieten keinen Schutz vor Fensterstürzen! Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie sich niemals gegen diese lehnen dürfen!
  • Sichern Sie auch Balkontüren mit versperrbaren Griffen oder Riegeln und lassen Sie Kinder nicht alleine am Balkon spielen!
  • Achten Sie darauf, dass keine „Aufstiegshilfen“ wie Sessel, Couch, Spielkisten etc. direkt an Fenstern stehen! Da sich dies nicht immer vermeiden lässt, ist die Fenstersicherung die wichtigste Vorsichtsmaßnahme, die Leben retten und schwere Verletzungen vermeiden kann.

 

Der am LKH-Univ.-Klinikum Graz angesiedelte Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE arbeitet seit über dreißig Jahren daran, tödliche und schwere, aber auch „unnötige“ Unfälle verhindern zu helfen. GROSSE SCHÜTZEN KLEINE betreibt intensive Unfallforschung im eigenen Forschungszentrum für Kinderunfälle und lässt die Ergebnisse direkt in Präventionsprojekte, Vorträge und Publikationen einfließen.

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